I’m an addict…

Es ist mal wieder an der Zeit für in bisschen Materialschlacht. Und vor allem für ein bisschen Begeisterung! Ich habe mir 2020 nämlich meinen ersten Versuch eines “Barfußschuhes” gegönnt: Den »nimbletoes Addict«.

»Joe Nimble« ist ein Sportschuhableger des deutschen Barfußschuhherstellers »Bär Schuhe«, ein Unternehmen, welches bereits seit 30 Jahren Schuhe herstellt, die sich durch Zehenfreiheit, Nullabsatz und Sohlenflexibilität auszeichnen. Sie versuchen das sogar ein bisschen mit modischem Chick zu verbinden, allerdings wirken die Bärschuhe auf mich doch immer etwas bieder – aber sowas ist ja bekanntlich Geschmackssache. Und um Bär-Schuhe soll es hier auch gar nicht gehen, sondern um die neue Laufschuhserie, die von »Bär Schuhe« unter dem Label »Joe Nimble« vermarktet wird.

Erfahrungsbericht: nimbleToes Addict

Ich bin Mitglied auf der Plattform Strava – “ein soziales Netzwerk zum internetbasierten Tracking sportlicher Aktivitäten” (Wikipedia). Nun ist es so, dass viele Sportartikel-Hersteller diese Plattform für ein bisschen Marketing nutzen. Im Gegensatz zu manch’ anderem Netzwerken geschieht dies hier aber einigermaßen intelligent, so dass es weder groß stört, noch nervt. Immerhin bin ich ja auch zahlender Premium-Nutzer, da muss das so…!

Es werden also von den Werbetreibenden jeden Monat sogenannte Herausforderungen angeboten, die dann mit “Preisen” verbunden sind, wie einem Nachlass auf bestimmte Produkte (“Laufe 100km im Monat und gewinne einen Gutschein, o.ä.). Manche dieser Herausforderungen sind allerdings schon sehr durchsichtige E-Mail-für-Newsletter-Sammelaktionen, aber ich denke, wenn ich alter Sack das durchschaue…. 😉

So eine Aktion hat Joe Nimble zur Markteinführung seines neuen Models »nimbleToes Addict« nun auch durchgeführt. Ich weiß nicht mehr, was die genaue Herausforderung war, aber immerhin hat das Absolvieren derselben mir einen Rabatt von 50 Euronen auf den schon recht stolzen Preis von 179 EUR des nimbleToes Addict verschafft. Im Juni 2020 konnte ich dann meine Schnäppchenschläppchen in den Händen halten.

nimbletoes Schuhe

Was an den Schuhen sofort auffällt, ist die seltsame Form. Hierbei handelt es sich um das »Functional Footwear« Konzept von Joe Nimble. Wem das bekannt vorkommt, das ist so ähnlich gedacht wie das »FootShape-Konzept« von ALTRA.

Zehenfreiheit und null Drop

Unter Functional Footwear versteht Joe Nimble eine kompromisslose Zehenfreiheit. Die Zehen haben ausreichend Platz, um sich uneingeschränkt aufzuspreizen, sodass v.a. der große Zeh seine natürliche Funktion als Anker und Stabilisator für den Fuß und somit den gesamten Körper ausüben kann. Wer mehr darüber erfahren möchte kann sich auch gerne beim Hersteller genauer informieren: Zehenfreiheit

Darüber hinaus ist die Sohle komplett flach, das bedeutet “Nullsprengung”. Sprengung (engl. „drop“) ist die Höhendifferenz zwischen Ferse und Vorfuß. Handelsübliche Laufschuhe weisen meist eine Sprengung von 8 bis 12 Millimetern auf, wobei es mit den Herstellern Hoka one one (Sprengung zwischen 1 und 6 mm) und ALTRA (immer 0 mm) sowie einzelne Modelle anderer Laufschuhersteller inzwischen genug Auswahl für Fans von wenig Sprengung gibt. Und ich bin inzwischen ein Fan von möglichst wenig Sprengung bei Laufschuhen, denn zumindest bei mir hatte das zur Folge, dass ich mich sehr wenig (bzw. gar nicht mehr) mit Laufverletzungen herumschlagen muss – und dass bei kontinuierlich gestiegenem Laufvolumen…. Das kann natürlich reiner Zufall sein, aber darüber hinaus finde ich das Laufgefühl auch erheblich (!) angenehmer.

Ich schweife ab, zurück zu den nimbleToes. Die Schuhe sind zusätzlich zur “Zehenfreiheit” und der flachen Sohlen auch noch mit recht wenig Dämpfung versehen. Mit Sohle und Fußbett (aus EVA) hat man gerade mal 16 mm Material zwischen Fuß und Straße. Das war (und ist noch) für mich allerdings dann doch etwas gewöhnungsbedürftig, bin ich doch auch Fan der Marke Hoka one one und deren Schuhe sind ja bekanntermaßen wahre Dämpfungsmonster!

Soles by Michelin

Die Sohle des Schuhs wurde in Zusammenarbeit mit dem Reifenhersteller Michelin entwickelt. Dieses “Soles by Michelin” erschien mir anfänglich aber eher als reiner Marketing-Gag.

Ich muss aber zugeben, dass ich mich darin wohl positiv getäuscht habe. Selbst auf Eis und Schnee (diesen Winter hatten wir das ja mal endlich wieder) ist der Grip der nimbleToes mit das Beste, was ich bei einem Straßenschuh bisher erlebt habe – da kann sogar so mancher Trail-Schuh nicht mithalten. Darüber scheint die Sohle außerdem sehr stabil zu sein , immerhin zeigt sie nach aktuell 380 km noch kaum Abnutzungserscheinungen. Also bisher haben mich Sohle und Grip überzeugt.

sohlen

Das Obermaterial scheint ebenfalls stabil und haltbar zu sein. Joe Nimble empfiehlt einem allerdings nach ca. 500-800 km das eventuell “ermüdete” Addict Fußbett zu wechseln. Der Hersteller geht also von erheblich mehr Laufleistung aus… 🙂 Das ist etwas, das mein Läuferherz durchaus erfreut, denn gerade meine Straßen-Modelle der letzten Jahre haben sich alle als nicht sonderlich haltbar entpuppt. Ich bin halt für einen Läufer doch eher ein Schwergewicht…. 😉

Und wie laufen sie sich?

An die nicht vorhandene Sprengung musste ich mich allerdings recht vorsichtig herantasten. Nachdem ich mit dem Saucony Kinvara mit 4 mm und zwei Hokas mit 5 mm sowie im Sommer mit meinem Nike Free RN Distance mit ebenfalls 5 mm Drop und wenig Dämpfung schon seit einiger Zeit der Meinung war, ja schon fast ein “Barfußläufer” zu sein (Ha! Ha!), haben mich die nimbleToes schnell eines Bessern belehrt. Nach meinem ersten Lauf mit gerade mal 6 km hatte ich das Gefühl meine Waden seien auf das Doppelte angeschwollen und nach meinem ersten 10 km Lauf mit den nimbleToes hatte ich einen heftigen Muskelkater im Gesäßmuskel.

Inzwische habe ich mich aber dran gewöhnt – man muss sich halt ein bisschen vorsichtig mit dem Laufen mit solchen Schuhen vertraut machen. Inzwischen aber macht mir auch der Wechsel zwischen meinen nimbleToes und meinen Hoka Clifton keine Probleme mehr. Wobei ich immer öfter zu den nimbleToes Addict greife als zu den anderen Tretern….

Fazit: Ich bin bis jetzt begeistert.

Man sieht, die Schuhe haben mich bisher überzeugt! Sie haben mich sogar so sehr begeistert, dass ich mich inzwischen entschlossen habe, mir die neue Trail-Variante »nimbleToes Trail Addict« zuzulegen, die mit 189 Euronen schon ein bisschen innere Überzeugungsarbeit nötig machte. Wenn ich die Schuhe auch ein paar Kilometer gelaufen bin, werde ich hier sicherlich ebenfalls ein paar Worte darüber verlieren. Es gibt schon ein kleines Detail an der ersten Ausgabe der Trail-Variante, das mich etwas stört. Aber dazu dann mehr im Erfahrungsbericht. Comming soon….

Eine kurze Bemerkung zu dem hochpreisigen Niveau der Joe Nimble Schuhe: Ich habe bei beiden Paaren auch schwer geschluckt und wenn ich den nimbleToes Addict nicht mit dem Nachlass bekommen hätte, würde ich mir die Anschaffung sicher noch intensiver überlegt oder sogar davon abgesehen haben. Aber wenn sich der nimble Toes Addict als genauso haltbar herausstellt, wie ich hoffe und der Hersteller behauptet (immerhin auch 3 Jahre Garantie), dann ist er jeden Cent wert!

Denn immerhin macht mir das Laufen mit den nimbleToes (und bisher auch mit dem Trail Addict) einen Heidenspaß und fühlt sich für mich richtig gut an! Und so konnte ich bereits nach einer kurzen Eingewöhnungsphase feststellen: I am an addict!

Jens trinkt aus Tasse mit Aufdruck #IAMANADDICT und nimble logo

Zur Seite von Joe Nimble Functional Footwear.


DISCLAIMER: Nein, ich werde nicht für meine Schuh-, und sonstigen Material-Empfehlungen entlohnt. Wenn ich auf diesem Blog etwas bespreche, lobe oder auch kritisiere, dann habe ich mir dafür auch einen mehr oder minder regulären Kaufpreis von der Kredikarte hobeln lassen. Produktbesprechungen auf diesem Blog sind (bis jetzt noch zumindest) „Redaktion“ im ganz klassischen Sinne. Und sollte ich jemals in den Genuss kommen, Material zum Testen unentgeltlich gestellt zu bekommen, dann werde ich das mit Sicherheit auch transparent machen!


2 thoughts on “I’m an addict…

  • Pingback: Was von der Woche übrig bleibt… – Notizen aus dem Barschenweg

  • 10. Mai 2021 at 16:32
    Permalink

    Hallo!
    Hast du dir zufällig die »nimbleToes Trail Addict« schon gegönnt und kannst du was dazu sagen?
    Ich frage, weil ich als Hundefrau täglich so 10 km durch die Gegend latsche und auf der Suche nach geländegängigen Schuhen mit viel Fußplatz bin und auf die Nimles – und über die auf deinen Blog stieß.
    Und so von Erlanger zu Erlangerin … 😉
    Liebe Grüße –
    Stephie

    Reply
    • 11. Mai 2021 at 19:08
      Permalink

      Hallo Stephie,

      Sorry für die verzögerte Antwort, bin gerade etwas im Urlaubsmodus. Ja, die Trail Addict habe ich auch und der Beitrag dazu liegt auch schon halb auf Halde hier…. 😉 Als Trainrunning-Schuhe finde ich sie nicht so gelungen wie die Straßenversion. Vor allem weil die Schnellspannung nicht so richtig funktioniert hat und das ein weit verbreitetes Problem zu sein scheint. Und die Lösung von Nimble auf eine Mail darüber war dann, mir Schnürsenkel zu schicken. 😐 Die “Schnüsenkelgarage” ist auch keine sonderlich gelungene Konstruktion. Da muss man die Senkel schon sehr sorgfältig reinfummlen, wenn sie nicht nach 500 Metern wieder raus rutschen sollen.

      Allerdings ist meiner noch die erste Generation und sie haben jetzt wohl eine zweite überarbeitete im Shop. Und wenn ich dich richtig verstehe, suchst du eher was zum “Wandern”? Und dafür finde ich Sie recht gut geeignet! Ich habe die Trail Addict inzwischen auch zum Wanderschuh “degradiert” und in den letzten Wochen diesbezüglich mit Zufriedenheit getestet – Dafür passen sie dann gut. Gestern haben sie z.B. als Wanderschuh auf 16km in recht anspruchsvollem Terrain in der fränkischen Schweiz überzeugt.

      Eine Alternative wären aber auch Schuhe von Altra Running. Die bauen ebenfalls Schuhe mit Zehenfreiheit und Nullsprengung und ich teste geade den neuen Lone Peak 5.0 und bin geadezu begeistert! Und zum Latschen sind die bestimmt ebenfalls geeignet (und ein bisschen günstiger als die Nimble) Hier allerdings aufpassen, Altras sollte man ca. eine halbe (als Trailrunner auch eine ganze) Nummer
      größer als gewohnt bestellen (ich habe Größe 42 und laufe meine Altras in 43 und hab damit die gewünschte Daumenbreite Luft nach vorne). Und der Versand erfolgt über italien, deswegen ist eine Rücksendung ein bisschen teurer, wenn man sich in der Größe vertan hat.

      Grüße Jens

      Reply
  • Pingback: Bei der Trail-Variante weniger addicted… – Jens läuft…

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