Natural Running.

Wie das so ist: Wenn man sich intensiv mit etwas beschäftigt und darüber in das Internet schreibt, stößt man recht schnell auf gleichgesinnte Netzmenschen, die das Interesse teilen und ebenfalls in’s Internet schreiben. Und das ist das, was ich an diesem Internet wirklich so mag:

Feedly Feedreader Rubrik LaufenMan interessiert sich für eine Sache, googelt ein bisschen herum, packt sich Blogs in den Feedreader, tritt ein paar Facebook Gruppen bei und findet mit etwas Glück auch noch Gleichgesinnte auf Twitter und Instagram. Anschließend ist man dann erst einmal total überfordert und nervt darüber hinaus seine Umgebung wochenlang mit frisch erworbenem nützlichen und unnützen Wissen über das neue Hobby oder Interesse.

Wenn es ganz heftig läuft1, gibt man auch noch einen oder mehrere Beutel Euros für Sachen aus, von denen man früher nicht wusste, dass sie einem gefehlt haben, die einem aber so eindringlich von diesem Internet ans Herz gelegt werden, dass man sie besitzen zu müssen glaubt.

Zum Glück dauert diese Phase (bei mir jedenfalls) nicht allzu lange. Sonst kann es passieren, dass einem die liebevolle Umgebung die Gefolgschaft aufkündigt. Das Frauchen hatte jedenfalls im letzten halben Jahr die zunehmende Befürchtung, ich würde mutieren: Zu einem Marathon und Ultratrails laufenden Veganer mit eigenem Laufschuhregal, einer neuen Bücherwand Fachliteratur2 und mehreren Schubladen und Gadgets, gefüllt mit neuer und sündhaft teurer Messelektronik und Verwaltungssoftware.

Bei mir haben sich im letzten halben Jahr aber vor allem ein paar Punkte zum Laufen herauskristallisiert, die ich inzwischen wirklich für wichtig halte und auf die ich mich nun konzentriere. Die Laufen-Rubrik im Feedreader wird deshalb in nächster Zeit vielleicht ein bisschen ausgedünnt und der Großteil der Facebook-Gruppen wurde bereits wieder verlassen. Nur den neu gefolgten Läufern bei meinem geliebten Twitter bleibe ich dann doch größtenteils treu… ;o)

Über diese mir „wichtigen“ Themen werde ich jetzt also im Laufe der kommenden Wochen und Monate in’s Internet schreiben, um die wenigen Leser, die dieses Blog bis jetzt gewinnen konnte, damit zu nerven erfreuen. Warum? Hatte ich oben nicht bereits erwähnt, dass die Umgebung einem in der Phase des ersten Überschwangs irgendwann die Gefolgschaft kündigt? Na also, deshalb muss ich jetzt hier in meiner virtuellen Fitnessbutze neu gewonnene Erkenntnisse meines Hobbys breit treten und ausgiebig über Themen schreiben, die andere schon vor Jahren/Monaten/Wochen ausgiebig beackert haben. Ich danke für das Verständnis des geneigten Lesers!

Natural Runnig

Und eines dieser Themen ist: Laufstil!3 Wie bei den meisten, die entweder ganz neu, oder wie ich nach einer längeren4 Pause,  mit dem Laufen beginnen, haben mich schmerzende Problemchen ereilt. Zuerst das linke Knie und als sich das beruhigt hatte, fingen die linke Achillessehne schmerzhaft heftig und die rechte Sehne etwas weniger schmerzhaft an zu zwicken. Das habe ich jetzt zwar mit Übungen, Dehnen und Blackroll so langsam ganz gut im Griff, aber so 100%-ig beschwerdefrei bin ich nicht bei jedem Läufchen. Auch wenn meine Devise seit knapp drei Jahren „Wenn du in deinem Alter morgens aufwachst und es tut nichts mehr weh, dann bist du tot!“ lautet, nervt es doch manchmal.

Was macht der netzaffine Mensch in so einem Fall? Na klar, er recherchiert im Netz! Und worauf stößt der netzaffine Läufer dann, wenn er ausgiebig zu „Verletzungen“ recherchiert:

Auf das Thema Laufstil und dann recht schnell auch auf Herrn Dr. Marquardt bzw. seine Bücher. Und zwar sowohl auf dieses Grundlagenwerk, das anscheinend jeder Läufer besitzt bzw. besitzen sollte – ich besitze es noch nicht, werde aber demnächst dieses Versäumnis sicher nachholen5 — und dann, etwas spezieller sein Buch über „Natural Running“. Und das habe ich mir jetzt vor einigen Wochen zugelegt.

Und was soll ich sagen – vieles was Herr Dr. Marquardt in „natural running“ schreibt, leuchtet mir ein. Ohne mich jetzt allzu sehr im Detail zu verlieren oder das hier zu einer Buchkritik ausufern zu lassen, muss ich zugeben, dass mich der Ansatz, natürliches (Barfuss-) Laufen ermögliche eine möglichst verletzungsfreie Läuferexistenz, recht schnell überzeugt hat.
Ich zitiere aus dem Klappentext: „natural running richtet sich an Läufer, die an einer intensiven und tiefgehenden Beschäftigung mit den Themen natürliche Bewegung, Lauftechnik und speziellem Lauf-Schuhwerk interessiert sind. Sie erfahren, wie sie sich einem natürlichen Laufstil annähern können und mit welchen Übungen sie dauerhaft verletzungsfrei trainieren können.“ Das Buch könnte zwar vom inhaltlichen Aufbau etwas besser und übersichtlicher strukturiert sein, aber das ist nur ein kleiner Schönheitsfehler. Auf jeden Fall habe ich inzwischen schon einiges umgesetzt und was soll ich sagen: Ich bzw. meine Achillessehnen erfahren verspürbare Besserung.

Ich laufe jetzt Nike Free!

Ich versuche jetzt also meinen Laufstil auf „natural running“ umzustellen und wie das so ist: Dafür braucht es natürlich auch Material! Und als letzthin bei einem örtlichen Sportwarenhändler der Nike Free 5.0 (als Auslaufmodell) zum Schnäppchenpreis angeboten wurde, habe ich zugeschlagen (wer mir auf instagram folgt, kennt die Treter schon. Hint! Hint! ;o) ). Nike ist ja so ein bisschen der Vorreiter der natural running Bewegung, zumindest was das Schuhwerk angeht und ist mit der Free-Serie seit 2002 anscheinend tonangebend.

Nike Free 5.0 in SchwarzDiese Schuhe sind so beschaffen, dass sie ein Laufgefühl vermittlen, das dem Barfußlaufen möglichst nahe kommen soll. Effekt: Fuß- und Wadenmuskulatur werden intensiver trainiert als mit gedämpften Laufschuhen. Außerdem kann man mit diesen Schuhen nicht den „Fersenläufer“ machen, weil’s „Aua“ macht, wenn man das tut. Und nicht über die Fesen zu laufen, ist gesünder für die Gelenke und Sehnen. Man wird also gedrängt, so zu laufen, als wäre man baren Fußes unterwegs. Der 5.0 kann laut weisen Ratgebern und Fachzeitschriften im Netz als „Einsteigermodell“ ins natural running angesehen werden und ist nicht so heftig wie der Free 3.0. Er hat ein bisschen mehr Dämpfung und die Sprengung ist mit 8mm nicht ganz so dezent wie beim 3.0. Seit kurzem haben die Nike Free andere Bezeichnungen und Einstufungen, aber da blicke ich jetzt nicht ganz so durch und muss es ja auch erstmal nicht (mehr).

Angetan bis leicht begeistert…

Ich habe den Schuh inzwischen ein paar kurze Runden (jeweils ca. 6km) Probe gelaufen und was soll ich sagen: Ich bin sehr angetan und tendiere leicht optimistisch zur Begeisterung. Ich werde ihn aktuell noch nicht auf längeren Strecken einsetzen, aber auf den kurzen Runden läuft er sich toll! Es ist ein ganz anderes Laufgefühl als mit meinen bisherigen Tretern und ich habe den Verdacht, ich bin mit den Nike auch immer etwas flotter unterwegs. Das muss aber noch die Statistik genauer zeigen. Ich hatte und habe zwar aktuell dann immer noch Muskelkater an seltsamen oder ungewohnten Stellen – Fußmuskulatur, Waden und Gesäß – aber das Laufgefühl ist toll. Ob es meinen Laufstil jetzt nachhaltig verändert, wird die Zeit zeigen, da will ich noch keine Prognosen abgeben, aber ich bin, wie oben erwähnt, leicht optimistisch.

Durch die flexible Sohle mit den tiefen Kerben ist es jetzt wahrscheinlich kein Schuh für Wald oder gar Trails. Angeblich hängen sich im Gelände ständig Steinchen in die Kerben der Sohle. Deshalb bin ich den Free auch bisher mehr auf Asphalt und nur auf kurzen Forstwegen bzw. Waldwegen gelaufen. Und da hat er sich bewährt. Auf den Feld- und Waldwegen hat sich das in einigen Foren oder Tests erwähnte „Steinchenproblem“ jedenfalls noch nicht eingestellt.

An diesem natural running scheint also durchaus etwas dran zu sein. Und das neue Schuhwerk hat sich bisher als gute Anschaffung erwiesen. Ich persönlich kann den Nike Free 5.0 empfehlen. Ich werde die geneigte Leserschaft auf dem Laufenden halten…


Hinweis: Ich bin weder von Dr. Marquardt noch von Nike in irgendeiner Art und Weise angestiftet, angeregt oder gar dafür entlohnt worden, die genannten Produkte lobend zu erwähnen. Ich habe das ganz von mir aus und freiwillig gemacht. Falls mich aber jetzt jemand mit kostenlosem Testequipement zuschmeißen möchte – bitteschöööön! ;o) #scnr


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  1. Haha! 5 € in die Wortspielkasse! ;o)  

  2. Trotz Internet kaufe ich Fortbildung auch noch auf totes Holz gedruckt 

  3. Wie überraschend! 

  4. Jahrelang! [Anmerkung des schlechten Gewissens]  

  5. Hat sich inzwischen erledigt, die Allerliebste hat mich damit versorgt 

3 thoughts on “Natural Running.

  • 12. April 2016 at 13:19
    Permalink

    Ein Schuh mit 8 mm Sprengung hat aber nix mit Natural Running zu tun. Meine Meinung.

    Reply
    • 12. April 2016 at 15:41
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      Prinzipiell wohl richtig, der 5.0 gilt ja als eine Art „Übergangsschuh“. Der Versuch eines Kompromisses zwischen gewöhnlichem Laufschuh und Barfußlaufen. Für jemanden, der sich um das Thema bisher aber noch gar keinen Kopf gemacht hat, fühlt sich das aber schon ziemlich „natural“ (und gewöhnungsbedürftig) an – bis ich bereit bin Lunas zu laufen wird wohl noch etwas Zeit vergehen… ;o)

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      • 14. April 2016 at 6:23
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        Ja, schon klar. 🙂
        Ich habe mich auch langsam daran gewöhnen müssen. Gleich mit wenig Sprengung laufen geht schief. Keine Probleme hatte ich mit diversen New Balance Modellen (Race 1500, Vazee Pace), die 6 mm haben. Oder aber der Newton Fate mit 4,5.
        Alles was mehr als 6 mm hat, versuche ich zu vermeiden. Macht auch keinen Spaß mehr.

        Reply

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